Bestimmte Faktoren wie Operationen, längere Immobilität, Krebserkrankungen oder hormonelle Veränderungen können das Thromboserisiko erhöhen. Erfahren Sie, welche Risikofaktoren es gibt und wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten.
Ein erhöhtes Risiko für eine Thrombose besteht insbesondere bei:
Treffen einer oder mehrere dieser Risikofaktoren auf Sie zu?
Lassen Sie sich von einem Gefäßspezialisten zu Ihrem persönlichen Thromboserisiko beraten.
Nehmen Sie die Anzeichen einer Thrombose unbedingt ernst!
Bereits vor über 150 Jahren wurde erstmals der Zusammenhang zwischen Tumorerkrankungen und Thrombose medizinisch beschrieben. Umso erstaunlicher ist es, dass heutzutage diese Verbindung von bestehender oder überstandener Krebserkrankung und dem Risiko für eine Thrombose den Betroffenen oft gar nicht bekannt ist. Dabei bilden Thrombosen die häufigsten und gefährlichsten Komplikationen für Krebspatienten.
Thrombosen treten nicht nur gehäuft bei einer Tumorerkrankung auf, sondern eine Thrombose kann sogar auf das Vorliegen eines Krebses hindeuten – selbst in einem sehr frühen Stadium. Der Grund hierfür ist, dass Krebserkrankungen zu einer Veränderung in der Blutzusammensetzung führen können. Deshalb liegt das Thrombose-Risiko bei Krebspatienten bei bis zu 30 Prozent.
Der Zusammenhang zwischen Tumorerkrankung und gestörter Gerinnung des Blutes ist nicht zufällig: Tumoren sondern Substanzen ab, die die Gerinnungsfaktoren anregen und auf diese Weise das Thromboserisiko erhöhen. Dazu kommt, dass auch die Krebstherapie selbst die Neigung zu Blutgerinnseln erhöhen kann.
Auch die Art der Krebserkrankung hat einen wesentlichen Einfluss auf die Häufigkeit von Thrombosen. So treten insbesondere bei Lungenkrebs oder Bauchspeicheldrüsenkrebs Thrombosen oder Lungenembolien öfter auf und auch Patienten mit Eierstockkrebs, Magenkrebs, Darmkrebs oder Leukämie haben ein deutlich erhöhtes Thromboserisiko. Das allgemeine Risiko von Tumorpatienten für eine Thrombose ist daher etwa um das Vier- bis Siebenfache erhöht und abhängig von Art, Stadium und Behandlungsart des Tumors.
Gerinnsel treten nicht nur als »Nebenwirkung« und Folge einer Krebserkrankung auf, sondern umgekehrt kann auch eine gesteigerte Neigung zur Blutgerinnung mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden sein. Deshalb spielen die individuelle Vorgeschichte, eventuell vorhandene Begleiterkrankungen und angeborene Risiken des Patienten ebenfalls eine Rolle.
Weitere Informationen im Flyer “Thrombosen und Embolien bei Tumorpatienten”

Die Pille kann Auslöser einer Thrombose sein, muss aber nicht. Klar scheint der Zusammenhang, wenn die Thrombose im ersten Jahr der Pillen-Einnahme auftritt. Bekommt eine Frau, die schon seit vielen Jahren die Pille ohne Komplikationen einnimmt, eine Thrombose, ist der Zusammenhang weniger schlüssig, ab dem vierten Jahr der Pilleneinnahme ist er unwahrscheinlich.
Vor allem für Östrogen-haltige Pillen und sogenannte Kombinationspillen der 3. und 4. Generation wurden Zusammenhänge zu Thrombosen festgestellt. Daraus lässt sich ableiten, dass nicht jede Pille grundsätzlich gefährlich ist. Hier ist eine Beratung mit Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen hilfreich. Sollten Sie selbst schon einmal eine Thrombose oder Lungenembolie erlitten haben, oder erstgradig Verwandte (z. B. Ihre Eltern oder Geschwister), sollten Sie dies vor der Verordnung von Hormonpräparaten daher unbedingt angeben.
Unter einer Behandlung mit Gerinnungshemmern sollte man unbedingt sicher verhüten. Denn die gerinnungshemmenden Medikamente können in seltenen Fällen Missbildungen beim Kind verursachen. Deshalb sollten Sie in dieser Zeit nicht schwanger werden und die Pille ist nach wie vor die sicherste Verhütungsmethode. Das damit verbundene Thromboserisiko wird durch die Gerinnungshemmung vollständig ausgeglichen.
Das bedeutet auch, dass Sie die Pille nicht abrupt absetzen, wenn bei Ihnen eine Thrombose oder Lungenembolie festgestellt wurde. Denn das plötzliche Absetzen kann zu einer sehr starken Abbruchblutung, also einer sehr starken Menstruation führen. Der eingenommene Blutverdünner schützt Sie mit und ohne die Pille zuverlässig vor Thrombosen. Erst wenn die Blutverdünnertherapie beendet werden soll, soll die Pille mit dem natürlichen Zyklus abgesetzt oder auf eine Östrogen-freie Pille umgestellt werden. Auch hormonfreie Verhütungsmethoden sollen dann berücksichtigt werden, z.B. Ovularing, Spirale, Kondom etc.
Bei einer insgesamt erfreulich niedrigen Schwangerensterblichkeit in der westlichen Welt stellt die venöse Thromboembolie (VTE) dennoch die häufigste Todesursache in der Schwangerschaft und den ersten Wochen nach Entbindung dar. Dabei ist das Risiko sechs Wochen vor und sechs Wochen nach der Geburt am höchsten (sogenanntes Wochenbett). Gründe dafür sind die hormonellen Veränderungen und der Druck auf die Beckenvenen durch die Gebärmutter. Manchmal kommt noch eine familiäre Gerinnungsstörung oder eine Verletzung der Venen-Innenwand (Thrombophlebitis) oder der Venenklappen hinzu. Ein Großteil dieser Ereignisse kann aber durch eine adäquate Risikobeurteilung und Prophylaxe verhindert werden. Achten Sie daher auf eine gleichmäßige Durchblutung Ihrer Beine durch häufiges Aufstehen und Herumlaufen, denn Bewegung ist die beste Vorbeugung gegen eine Thrombose.
Schwangere mit bestimmten Risikofaktoren (frühere Thrombose oder Thrombosen in der Familie, wiederholte Fehlgeburten, Präeklampsie, starkes Übergewicht, Rauchen, Krampfadern, Diabetes mellitus, Nierenerkrankung, Bluthochdruck) sollten besonders sorgfältig überwacht werden. Entscheidend ist hier, bei jedem Verdacht auf eine Thrombose eine zeitnahe Diagnostik durchzuführen, um eine sichere Therapieentscheidung treffen zu können. Das gelingt sehr gut und schonend mittels Ultraschall. Die Blutverdünnertherapie erfolgt in Schwangerschaft und Wochenbett mit niedermolekularen Heparinen (NMH), die als Spritze verabreicht werden, und sollte für mindestens 6 Wochen nach der Entbindung fortgeführt werden. Dabei sollte die Einstellung durch einen erfahrenen Spezialisten erfolgen.
Thrombophilie bedeutet, dass das Blut leichter zu Gerinnseln neigt als normal. Solche Gerinnsel können Blutgefäße verstopfen und zum Beispiel eine tiefe Beinvenenthrombose oder eine Lungenembolie auslösen. Es gibt angeborene und erworbene Ursachen. Wichtig ist: Nicht jede auffällige Laborveränderung bedeutet automatisch eine Krankheit, und nicht bei jeder betroffenen Person kommt es auch wirklich zu einer Thrombose.
Der Körper muss bei einer Verletzung Blutungen stoppen, darf aber nicht überall und jederzeit Gerinnsel bilden. Deshalb gibt es im Blut sowohl „Gerinnungsfaktoren“ als auch „Gerinnungshemmer“, die das Gleichgewicht halten. Wenn dieses Gleichgewicht gestört ist, steigt das Thromboserisiko. Thrombophilie kann also entweder bedeuten, dass jemand schon eine Thrombose hatte, oder dass bestimmte Blutwerte ein erhöhtes Risiko anzeigen.
Man unterscheidet schwere und mildere Formen. Zu den schweren angeborenen Formen gehören Mangel an Antithrombin, Protein C oder Protein S. Diese Störungen sind seltener, erhöhen das Thromboserisiko aber deutlich. Zu den milderen genetischen Formen gehören Faktor-V-Leiden und die Prothrombin-G20210A-Variante.
Auch erworbene Formen gibt es, zum Beispiel das Antiphospholipid-Syndrom (APS). Das ist eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper Antikörper bildet, die das Risiko für Thrombosen und teils auch Schwangerschaftsprobleme erhöhen. Ebenfalls relevant sind dauerhaft erhöhte Gerinnungsfaktoren wie Faktor VIII, IX, XI oder Fibrinogen.
Das Risiko ist nicht bei allen gleich. Es steigt, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen, zum Beispiel Operation, Verletzung, Schwangerschaft, Wochenbett, Pille, Immobilität, schwere Erkrankung oder Chemotherapie. Auch eine positive Familiengeschichte ist wichtig: Wenn nahe Angehörige Thrombosen hatten, ist das Risiko erhöht. Frauen sind vor allem vor dem 50. Lebensjahr häufiger betroffen, unter anderem wegen hormoneller Einflüsse wie Pille oder Schwangerschaft.
An eine Thrombophilie sollte man vor allem denken, wenn eine Thrombose ohne klaren Auslöser auftritt, in jungem Alter entsteht, trotz Prophylaxe passiert oder an einer ungewöhnlichen Stelle liegt. Auch wiederholte Thrombosen, eine starke Familienbelastung oder Fehlgeburten können Hinweise sein. Besonders bei jungen Patientinnen und Patienten mit unklaren Thrombosen sollte man an das Antiphospholipid-Syndrom denken.
Für die Beurteilung sind Krankengeschichte, Untersuchung und Labor zusammen wichtig. Im Labor sucht man je nach Verdacht nach Faktor-V-Leiden, der Prothrombin-Variante, nach Antithrombin-, Protein-C- oder Protein-S-Mangel sowie nach Antikörpern bei Verdacht auf APS. Wichtig ist: Die meisten Tests sind nicht direkt in der akuten Thrombosephase sinnvoll, weil Medikamente und die akute Erkrankung die Werte verfälschen können. Oft ist eine Abklärung nach 3 bis 6 Monaten besser.
Nicht jeder braucht ein Thrombophilie-Screening. Sinnvoller ist es vor allem bei auffälligen Fällen, zum Beispiel bei jungen Betroffenen, starken oder ungewöhnlichen Thrombosen, Thrombosen trotz Prophylaxe oder positiver Familienanamnese. Bei gesunden Personen ohne eigene Thrombose wird meist nicht routinemäßig getestet.
In der akuten Phase ändert eine Thrombophilie die Behandlung meistens nicht. Eine Ausnahme kann ein Antithrombin-Mangel sein, weil Heparin dann manchmal schlechter wirkt. Auch beim Antiphospholipid-Syndrom ist besondere Aufmerksamkeit nötig, weil das Rückfallrisiko höher sein kann.
Nach einer ersten Thrombose wird oft mehrere Monate antikoaguliert, also mit Blutverdünnern behandelt. Bei leichter Thrombophilie kann danach manchmal eine verlängerte, niedrig dosierte Prophylaxe sinnvoll sein. Bei schwerer Thrombophilie wird häufiger eine längere oder sogar unbefristete Behandlung erwogen. Die Entscheidung hängt immer vom individuellen Nutzen-Risiko-Verhältnis ab.
Thrombophilie bedeutet nicht automatisch Krankheit, aber sie kann das Risiko für Thrombosen deutlich erhöhen. Besonders wichtig sind die Vorgeschichte, die Familienanamnese und die Frage, ob es einen Auslöser gab. Tests sollten gezielt und zum richtigen Zeitpunkt erfolgen, damit keine falschen Schlüsse gezogen werden. Die Behandlung richtet sich nicht nur nach dem Labor, sondern vor allem nach der gesamten Situation der betroffenen Person.